Im Bürgermeisterwahlkampf wurde vor einigen Wochen die Errichtung einer kommunalen Oberschule als zentrales bildungspolitisches Vorhaben kommuniziert. Die Ankündigung von Kandidat Ansgar Schanke stieß auf breite öffentliche Resonanz – eine nüchterne, faktenbasierte Überprüfung fällt jedoch in mehrfacher Hinsicht ernüchternd aus.
Fehlerhafte Planungsgrundlage
Der Schulentwicklungsplan, auf den die Gemeinde ihre Entscheidung stützt, enthält einen schwerwiegenden sachlichen Fehler: Der Schulcampus Altlandsberg wird als Oberschule klassifiziert, obwohl es sich um eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe handelt. Dieser Fehler verzerrt die Bedarfsermittlung regionaler Schülerströme grundlegend. Ergänzt man die bislang fehlenden Schülerzahlen aus Petershagen, ergibt sich ein fundamental anderes Nachfragebild. Bildungsplanung auf fehlerhafter Datenbasis produziert zwangsläufig fehlerhafte Schlussfolgerungen.
Marginaler Elternwille
Die tatsächliche Nachfrage ist ernüchternd: Lediglich 128 Sechstklässler haben eine Oberschule als Erst- oder Zweitwunsch angegeben. Bereinigt man diese Zahl um den bevorstehenden Schulformwechsel der Oberschule Fredersdorf zur Gesamtschule, verbleiben faktisch 65 Kinder. Der Elternwille ist eindeutig: Familien in Neuenhagen präferieren das Gymnasium oder eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe – aus rationaler Bildungsplanung, nicht schulpolitischer Präferenz.

Es drängt sich die Frage auf: Wurde die Oberschule gewählt, weil sie dem tatsächlichen Bedarf entspricht – oder weil sie im Wahlkampf schnelle Handlungsfähigkeit suggeriert? Durchdachte Bildungspolitik lässt sich vor Wahlen selten so eingängig kommunizieren wie entschlossenes, aber unzulänglich geprüftes Handeln.
Ungeeigneter Standort und ungelöste Personalfrage
Die Unterbringung im Grundschulgebäude am Gruscheweg scheitert an strukturellen Grundvoraussetzungen: Fachräume für Naturwissenschaften und IT-Infrastruktur der Sekundarstufe fehlen vollständig. Über 200 Grundschulkinder und mehr als 100 Jugendliche würden sich Pausenhof, Mensa und eine 3‑Feld‑Sporthalle teilen – unter keinem realistischen Stundenplanszenario umsetzbar. Zwei eigenständige Schulleitungen ohne getrennte Sekretariate und Arbeitsbereiche unter einem Dach sind organisatorisch nicht tragfähig.
Im strukturellen Lehrermangel Brandenburgs benötigt eine Oberschule von Beginn an vollständige Fachkollegien. Eine Schule ohne eigenes Gebäude, ohne institutionelle Stabilität und ohne gesicherte Standortperspektive wird im Wettbewerb um qualifiziertes Personal strukturell benachteiligt sein.
Unsere bildungspolitische Position
Unsere Kritik richtet sich nicht gegen weiterführende Schulen in Neuenhagen – im Gegenteil. Wir fordern seit Jahren eine
Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe: auf eigenem Gelände, mit eigenständiger Infrastruktur, alle Abschlüsse bis zum Abitur offenhaltend. Notfalls mit Interimslösung – aber mit verbindlichem Fahrplan und klarer institutioneller Perspektive.
Das vorliegende Konzept entbehrt in seiner derzeitigen Ausgestaltung einer tragfähigen planerischen und bedarfsseitigen Grundlage. Was Neuenhagens Kinder verdienen, ist nicht weniger, sondern mehr.
Eine ausführlichere Analyse finden Sie hier
