Die Klarstellung des Bürgermeisters wirft Fragen auf. Statt auf unsere inhaltliche Kritik an der Schulplanung einzugehen, spricht er vor allem über politische Umgangsformen. Das zeigt aus unserer Sicht, dass es inhaltlich an tragfähigen Antworten fehlt.
Korrektur eines Zahlenfehlers
In unserem ersten Beitrag gab es einen Zahlenfehler. Die richtige Zahl ist: 65 Sechstklässler aus Neuenhagen haben im aktuellen Ü7-Verfahren eine Oberschule gewählt – nicht vier.
Dieser Fehler wurde erkannt und korrigiert. Offen und ohne Ausreden.
Entscheidend ist aber etwas anderes: Die Verwaltung plant seit Jahren mit fehlerhaften oder unvollständigen Grundlagen und räumt diese Fehler erst unter öffentlichem Druck ein.
Warum wir genauer hingeschaut haben
Im Bildungsausschuss am 17. März habe ich für die FREIE MITTE nach den aktuellen Erst- und Zweitwünschen der Sechstklässler gefragt. Diese Zahlen sind wichtig, wenn man über eine neue Oberschule entscheidet.
Die Antwort der Verwaltung war widersprüchlich:
Es gäbe keine konkreten Zahlen – gleichzeitig wisse man schon, dass die geplante Außenstelle der Lenné-Oberschule in diesem Schuljahr nicht gebraucht werde.
Ohne Zahlen, aber mit klaren Schlussfolgerungen zu arbeiten, ist kein solides Vorgehen – besonders nicht bei einer Entscheidung, die das Bildungsangebot der Gemeinde für viele Jahre prägen soll.
Fehler im Schulentwicklungsplan
Die Verwaltung hat eingeräumt, dass die Schulform in Altlandsberg falsch dargestellt wurde. Diese Schule war bis 2024/2025 eine Oberschule, ist aber inzwischen eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe.
Gerade die letzten Schuljahre sind entscheidend, weil sie zeigen, was Eltern heute wirklich wollen. Wer diese aktuellen Jahre mit falschen Daten bewertet, verzerrt das Ergebnis.
Die Entwicklung ist klar:
- In Altlandsberg gibt es bereits eine Gesamtschule.
- In Fredersdorf wird ebenfalls umgestellt.
- Im Landkreis sind Gesamtschulen mit Oberstufe stark nachgefragt und zu wenige.
Eltern wollen Schulformen, die ihren Kindern alle Abschlüsse offenhalten. Diese Entwicklung lässt sich nicht durch politische Beschlüsse stoppen.
Zur Frage der Genehmigung
Immer wieder wird gesagt, nur eine Oberschule sei genehmigungsfähig. Das beruht jedoch auf Annahmen der Verwaltung, nicht auf einem offen dargestellten Prüfverfahren.
Schnelligkeit ist kein Bildungsziel. Und Genehmigungssicherheit ersetzt keine gute pädagogische Planung.
Was das Schulamt wirklich gesagt hat
Im Bildungsausschuss des Kreises hat Schulrat Liesk klar gesagt:
Eine gemeinsame Nutzung des Schulgebäudes am Gruscheweg durch Grundschule und Oberschule ist nicht möglich.
Das ist keine politische Meinung der FREIE MITTE, sondern eine Aussage der zuständigen Schulaufsicht.
Eine neue Oberschule ohne eigenes Gebäude ist laut Schulamt nicht machbar – und im nächsten Schuljahr auch nicht notwendig.
Zusätzlich erklärte der Beigeordnete Hanke, dass im Mittelzentrum sechs Schulzüge gebraucht würden. Vier davon deckt bereits die Lenné-Oberschule ab.
Mehrere Schulleiter äußerten Zweifel an einer zweizügigen Oberschule:
- Mit zwei Zügen lässt sich kaum ein stabiles Lehrerteam aufbauen.
- Erst ab drei Zügen wird es halbwegs möglich.
- Eine Oberstufe braucht mindestens vier bis fünf Züge.
Eine wachsende Grundschule als Dauerprovisorium?
Die Grundschule am Gruscheweg wird noch in diesem Jahr um drei Klassen erweitert. Gleichzeitig soll sie für etwa drei Jahre auch eine neue Oberschule aufnehmen.
Das bedeutet zwei Schulen unter einem Dach, obwohl das Gebäude nur für eine gebaut wurde. Klassenräume, Fachräume, Lehrerzimmer, Mensa, Pausenhof und Turnhalle müssten geteilt werden.
Gerade die Turnhalle ist schon jetzt knapp. Sportunterricht ist Pflicht und wichtig für die Gesundheit der Kinder. Hier entsteht ein klarer Engpass.
Wenn Erstklässler und Jugendliche zusammenkommen
In diesem Provisorium würden sechsjährige Grundschüler täglich auf bis zu fünfzehnjährige Oberschüler treffen – auf dem gleichen Pausenhof und in denselben Fluren.
Das ist keine organisatorische Kleinigkeit, sondern eine Frage des gesunden Menschenverstands.
Was für Jugendliche normal ist, kann für Grundschulkinder beängstigend oder störend sein.
Drei Jahre sind keine kurze Übergangszeit. Für ein Kind, das jetzt eingeschult wird, ist das die komplette Grundschulzeit.
Die Grundschule am Gruscheweg ist eine junge Schule mit einer engagierten Gemeinschaft. Lehrkräfte, Eltern und Kinder haben viel investiert. Diese Stimmen müssen gehört werden – vor Entscheidungen, nicht danach.
Lehrermangel ist ein echtes Problem
Zwar ist das Schulamt für Lehrkräfte zuständig, doch der Lehrermangel in Brandenburg ist seit Jahren bekannt. Besonders außerhalb der großen Städte ist er massiv.
Eine neue Schule ohne eigenes Gebäude, ohne klare Perspektive und mit Provisoriumslösungen ist für Lehrkräfte wenig attraktiv. Das wirkt sich direkt auf die Qualität des Unterrichts aus.
Zum Vorwurf der Dialogverweigerung
Der Vorwurf, die FREIE MITTE verweigere den Dialog, ist unbegründet. Öffentlichkeit herzustellen gehört zur Aufgabe gewählter Vertreter – besonders dann, wenn in den Ausschüssen verlässliche Antworten fehlen.
Dialog scheitert nicht an öffentlicher Kritik, sondern daran, dass Fragen mit fehlenden Zahlen beantwortet werden.
Unsere Position
Neuenhagen braucht eine weiterführende staatliche Schule. Daran besteht kein Zweifel.
Wir stehen seit Jahren für eine Gesamtschule mit gymnasialer Oberstufe und vertreten diese Position konsequent.
Es braucht die richtige Schule, am richtigen Ort, mit einer Planung, die dem aktuellen Elternwillen und den Anforderungen der nächsten Jahrzehnte gerecht wird.
Eine wachsende Grundschule als Dreijahres‑Provisorium, eine zweizügige Oberschule ohne eigenes Gebäude und ohne gesicherte Lehrkräfte sind dafür keine Lösung.
Der Zahlenfehler ist korrigiert.
Die zentrale Frage bleibt:
Plant diese Gemeinde für die Kinder von morgen – oder für die Versprechen von gestern?


