+++ Die Maske fällt in Neuenhagen +++

Kennen Sie den Film „Eyes Wide Shut“? Im letzten Meisterwerk von Stanley Kubrick geht es um verletzte Männlichkeit, Dekadenz, Macht und die Gefahren einer sexualisierten Jeffrey-Epstein-Welt.

Dr. Bill Harford ist verletzt, als ihm seine Ehefrau Alice ihre Fantasien erzählte, in welcher er keine Rolle spielt. Tief gekränkt flüchtet er sich in das New Yorker Nachtleben und lernt eine ihm bisher nicht bekannte Welt kennen.

Dabei schleicht er sich in eine Party ein, in der die Teilnehmer Masken tragen und sich orgiastisch der hemmungslosen Leidenschaft hingeben. Es kommt, wie es kommen muss, er verliert seine Maske, wird enttarnt und gerät in vermeintlich tödliche Gefahr. Grandios gespielt von Tom Cruise und Nicole Kidman, die zu dieser Zeit selbst verheiratet waren, nimmt der Film überraschende Wendungen und erreicht sein Crescendo, als Cruise alias Bill Harford nach Hause kommt und die verlorene Maske neben seiner schlafenden Frau auf seinem Kopfkissen wieder findet.

KI generiert

Am Montag ist in Neuenhagen auch eine Maske gefallen. Die AfD, offenbar auch innerlich zerrissen, hat sich öffentlich zu Ansgar Scharnke bekannt. Noch gegen Mittag konnte man in der Onlineausgabe der MOZ lesen, dass die AfD sich endgültig aus dem Bürgermeisterwahlkampf heraushalte. Wenige Stunden später erschien dann ein Flyer, in welchem sie offen zur Unterstützung Scharnkes aufruft. Wer eine plausible Begründung hierfür sucht, tut dies vergebens.

Überhaupt ist der Flyer inhaltlich so widersprüchlich, dass es fast schon an Satire erinnert.

So werde angeblich vom Unterstützerbündnis verschwiegen, dass Ilka Goetz Mitglied der Linken-Fraktion in der Gemeindevertretung gewesen sei. Zu dumm, dass es in allen Broschüren über die Kandidatin steht und Die Linke selbst auch Teil des Bündnisses ist.

Dann wird über die Brandmauertaktik der Parteien gewettert, aber fast schon selbstverständlich werden eigene Brandmauern aufgebaut. So sei Ilka Goetz aufgrund ihrer Arbeit in der Fraktion Die Linke genauso wenig wählbar wie unser Wählergruppenvorsitzender Rico Obenauf, dem „eine klare Nähe zum BSW nachgesagt werden“ könne.

Das ist freilich Unsinn, aber so kann man gleich zwei weitere Akteure an eine neue Brandmauer stellen, die gar nicht zur Wahl stehenden: Obenauf und eine Partei, die in Neuenhagen auf kommunaler Ebene nicht existiert.

Und richtig witzig wird es, wenn plötzlich felsenfest behauptet wird, dass „Ilka Goetz einen „Energieexperten“ nach Neuenhagen“ geholt habe, um im nächsten Satz zu fragen, ob es nicht doch Anton Wulke von den B90/Die Grünen gewesen sei?

Die eigene Behauptung übersteht nicht mal den nächsten Satz. 

Sehen wir dieses Machwerk positiv. Die Maske ist endlich gefallen.

Für uns Gemeindevertreter ist das nicht wirklich überraschend. Bisher hat die AfD alle Anträge des Bürgermeisters und der Parteilosen uneingeschränkt unterstützt. Anderenfalls würde der Bürgermeister nie auch nur in die Nähe einer Mehrheit kommen.

Nun, das ist in einer Demokratie nicht zu beanstanden, es ist aber schön, dass diese Heimlichtuerei jetzt endlich ein Ende hat und es darf endlich auch öffentlich spekuliert werden, welchen Preis die AfD für die oberflächlich bedingungslose Gefolgschaft fordert oder bereits gefordert hat.

Egal wie, spätestens jetzt kann niemand mehr überrascht sein, wenn am nächsten Tag plötzlich eine Maske auf dem Kopfkissen liegt.

Und jetzt? Wissen wir wenigstens alle, woran wir in Neuenhagen sind.

Der Film endet übrigens mit dem fast schon legendären letzten Dialog eines Kubrick Films:   

Alice:    „Es gibt da etwas sehr Wichtiges, was wir so bald wie möglich tun müssen.“

Bill:       „Was denn?“

Im Film antwortet Alice nicht jugendfrei. Wir legen ihr jetzt mal das folgende Wort in den Mund:

„Nachdenken!“