Ein Kommentar von Rico Obenauf

In Neuenhagen hat sich in den letzten Wochen Bemerkenswertes ereignet.
In einer Guerillaaktion haben Unbekannte die Bahnhofstreppe in den Farben der Deutschlandfahne neu „dekoriert“. Da es hierzu weder eine Beschlusslage gab, noch die Qualität der Bemalung ausreichend war, entschied sich der Bürgermeister, ein Jugendprojekt mit einer künstlerischen Neugestaltung der Treppe zu beauftragen.
Das Ergebnis war ansprechend, durchaus verbindend und tiefgründig. Keinesfalls anklagend.
Nur wenige Tage nach Fertigstellung schritten die Guerillakämpfer wieder zur Tat und zerstörten das Kunstprojekt. Aus einer Guerillaaktion wurde spätestens jetzt eine Straftat.
Bemerkenswert in dem Zusammenhang waren diverse Äußerungen im Internet, dass man ja wohl nichts gegen die Deutschlandfahne haben könne. Verkürzt gesagt, erwarteten einige, dass hier auch solche Sachen zu akzeptieren seien, wenn sie nur „im Namen Deutschlands“ begangen würden.
Diese Entwicklung ist ein klarer Rückschritt.
Auch ich bekenne mich zu meinen deutschen Wurzeln und bin auf diese auch gewissermaßen stolz. Aber ich definiere meinen Stolz anders. Für mich gehört es als Deutscher dazu, dass ich Regeln und das Eigentum anderer respektiere und akzeptiere, dass andere anders als ich leben wollen.
Insbesondere werde ich immer Mehrheitsentscheidungen akzeptieren. So habe ich es hingenommen, dass es in der Gemeindevertretung eine Mehrheit gegen den Antrag der Jugendlichen bezüglich der Regenbogenfahne gab. Ein Symbol, was mitnichten nur die LGBTQ Community nutzt, sondern über die Jahrhunderte. Zum Beispiel, vom Bauernkämpfer Thomas Müntzer und der internationalen Friedensbewegung genutzt wurde.
Am Ende sind beide Flaggen nur Symbole für etwas, für eine Idee, ein Lebensgefühl. Ironischerweise sollen beide Symbole verbindend wirken. Nicht spaltend. Beide Symbole können aber nur wirken, wenn niemand zu etwas gezwungen wird.
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